Genau 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für 25 Jahre erfolgreiche Netzwerkarbeit: Dieses besondere Zahlenspiel prägte das Jubiläum des Regionalen Runden Tisches (RRT) Eifel gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen. Auf Einladung der Kommunalen Gleichstellungsbeauftragten Doris Sicken kam die Gruppe vor der JVA in Wittlich zusammen. Unter den Gästen war auch Landrätin Julia Gieseking, die die Bedeutung des Netzwerks durch ihre Anwesenheit für die Region unterstrich.
Der Nachmittag führte die Teilnehmenden an den größten Justizvollzugsstandort in Rheinland-Pfalz. Da der Alltag hinter Gefängnismauern für Außenstehende aus Gründen der Sicherheit streng verborgen bleibt, macht das landesweit einzige Justizvollzugsmuseum das „Leben hinter Gittern“ dennoch erlebbar. Der Komplex in Wittlich ist gewaltig: Neben der JVA gehören auch eine Jugendstrafanstalt, die Justizvollzugsschule sowie ein Justizvollzugskrankenhaus zum Areal.
Eindringliche Einblicke auf 80 Quadratmetern
Nach der Begrüßung durch die Behördenleiterin der Justizvollzugsschule, die über die anspruchsvolle Ausbildung im Vollzug berichtete, ging es in das landesweit einzige „Knastmuseum“.
Auf 80 Quadratmetern wurde die Geschichte des Strafvollzugs seit 1902 eindringlich und teils erschreckend greifbar. Die Gruppe besichtigte historische Arrestzellen, nachgebaute Arbeitsplätze und heimlich von Gefangenen hergestellte Exponate, wie selbstgebaute Messer, Pistolenattrappen oder verschluckte Gegenstände. Auch der Wandel der Strafen wurde deutlich: Wurde 1835 noch „das Fleisch am Feiertag entzogen“, sind es heute Einschränkungen beim Einkauf. Dass Gefangene überhaupt feste Rechte haben, regelte erstmals ein Bundesgesetz aus dem Jahr 1977.
15 Jahre „Rückenwind“: Hilfen für Angehörige Inhaftierter
Ein emotionaler Höhepunkt war die Vorstellung des Projekts „Rückenwind“, das in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiert und in dieser Form einmalig in Deutschland ist. Da Gefangene in der JVA lediglich zwei Stunden Besuch pro Monat empfangen dürfen, ist der Kontakt nach außen stark begrenzt. Im Fokus von „Rückenwind“ stehen die Angehörigen, insbesondere Partnerinnen und Kinder, die unter der Situation leiden. Sie sind oft unverschuldet von sozialer Ausgrenzung, Scham, Stigmatisierung und schwierigen Lebenssituationen betroffen. Das Projekt leistet hier unschätzbare Beratungs- und Unterstützungsarbeit, fängt diese Familien auf, hilft neue Perspektiven zu entwickeln und stabilisiert ihre Lebenssituation nachhaltig. Für die Mitglieder des Runden Tisches ein wertvoller Impuls, der eng mit ihrer eigenen Arbeit verzahnt ist.
Rückblick auf ein Vierteljahrhundert Netzwerkarbeit
Bei guten Gesprächen ließen die Mitglieder des RRT die gewonnenen Eindrücke Revue passieren. Bei selbstgebackenem Kuchen von Inhaftierten aus der anstaltseigenen Justizbäckerei, blicken die Mitglieder auf 25 Jahre Netzwerkarbeit zurück. Der runde Tisch Eifel trifft sich drei Mal im Jahr, um sich über aktuelle Entwicklungen und Erfahrungen auszutauschen, Hilfsangebote zu vernetzen und Synergien über Landkreisgrenzen hinweg zu schaffen. Der RRT stellt damit eine unverzichtbare Säule beim Schutz von Betroffenen und der Prävention von häuslicher Gewalt dar.
Bei Fragen wenden Sie sich gerne an:
Doris Sicken
Kommunale Gleichstellungsbeauftragte
des Landkreises Vulkaneifel
Tel. 06592/933-579
Email: Doris.Sicken@vulkaneifel.de


