Kinderschutz heißt Vielfalt aushalten – sind wir dafür bereit? Die Antwort darauf fiel bei der diesjährigen Netzwerkkonferenz „Kinderschutz“ im Forum Daun differenziert aus: Ja – wenn Fachkräfte bereit sind zuzuhören, dazuzulernen und gewohnte Perspektiven zu hinterfragen.
Rund 80 Fachkräfte aus Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Schulen, Beratungsstellen, Schulsozialarbeit, Streetwork, Eingliederungshilfe und weiteren Institutionen kamen im Forum Daun zusammen, um sich mit den Lebensrealitäten trans* und nicht-binärer junger Menschen auseinanderzusetzen. Ein Thema, das zunehmend gesellschaftlich diskutiert wird und viele Fachkräfte vor neue Fragen stellt.
Zur Eröffnung begrüßten Netzwerkkoordinator Hendrik Müller und Landrätin Julia Gieseking die Teilnehmenden. Beide unterstrichen die Bedeutung eines starken Netzwerks für den Kinderschutz und warben dafür, Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität mit Offenheit, Respekt und fachlicher Kompetenz zu begegnen.
Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. Max Appenroth. In seinem Vortrag „Zwischen Identität und Institution: Lebensrealitäten trans* und nicht-binärer junger Menschen“ vermittelte der Medizinwissenschaftler, Diversity-Berater und langjährige Aktivist Grundlagen zu geschlechtlicher Vielfalt und zeigte auf, mit welchen Herausforderungen trans* und nicht-binäre junge Menschen in ihrem Alltag konfrontiert sein können. Sein Appell: Fachkräfte brauchen Wissen, Sensibilität und die Bereitschaft, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen.
Anschließend wurde die Konferenz zur Werkstatt für neue Perspektiven. In vier praxisnahen Workshops diskutierten die Teilnehmenden, wie inklusive Sprache gelingen kann, welche Bedeutung traumasensible Begleitung hat und welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen die Lebenssituation trans* und nicht-binärer Jugendlicher prägen.
Statt abstrakter Theorie standen konkrete Fragen aus dem Berufsalltag im Mittelpunkt: Wie spreche ich respektvoll an? Wie schaffe ich sichere Räume? Und welche Signale vermitteln Wertschätzung und Zugehörigkeit?
Die Referierenden Janboris Ann-Kathrin Rätz, Heik Zimmermann, Dr. Max Appenroth und Julia Monro brachten dabei nicht nur ihre fachliche Expertise, sondern auch vielfältige Erfahrungen und praxisnahe Impulse ein. Die intensive Beteiligung zeigte deutlich, wie groß das Interesse an einem offenen, reflektierten und professionellen Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt ist.
Im abschließenden Plenum wurden die Erkenntnisse aus den Workshops zusammengeführt. Die zentrale Botschaft des Tages lautete: Kinderschutz bedeutet, jedes Kind in seiner Individualität wahrzunehmen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass junge Menschen sicher, respektiert und selbstbestimmt aufwachsen können.
Zum Abschluss dankte Manuela Schneiders, Leiterin des Jugendamtes des Landkreises Vulkaneifel, allen Referierenden und Teilnehmenden für ihr Engagement. Die hohe Beteiligung und die intensive Diskussion zeigten eindrucksvoll, dass das Netzwerk Kinderschutz bereit ist, sich auch komplexen gesellschaftlichen Fragestellungen zu stellen – gemeinsam, fachlich fundiert und mit dem Blick auf das Wohl der Kinder und Jugendlichen.
Konferenzplanung und Organisation
Hendrik Müller, Netzwerkkoordination nach dem Landes- und Bundeskinderschutzgesetz (Jugendamt Landkreis Vulkaneifel)


